Perlen
Perlen und Schmuck mit einer grenzenlosen Vielfalt an Formen, Farben und Größen faszinieren seit 40.000 Jahren Augen und Hände der Menschen in allen Kulturen. Schon früh schmückten sich Männer, Frauen und Kinder ihren Körper mit kleinen Knochen und Muscheln. Die fädelten sie auf Schnüre und Tiersehnen. Unter Perlen werden im Allgemeinen zum Auffädeln gelochte Kügelchen verstanden. Die frühesten Perlen hatten jedoch eine Röhren- oder Scheibenform. Sobald die Handwerker in der Lage waren gleichmäßige Kugeln herzustellen, setzte sich diese Form durch. Diese Vorliebe ist global und kennt keine kulturellen Unterschiede.
Bei einigen Kulturen ist es heute noch Sitte, Perlenschmuck ein ganzes Leben zu tragen und dann mit ins Grab zu nehmen. Doch Perlen sind nicht nur als Schmuck und Zierat für Kleidungsstücke oder als Sammlerobjekt begehrt, sondern üben auch einen sinnlichen Reiz aus: Schön anzusehen, bunte, schillernde Farben, unterschiedliche Formen und Materialien, zum Teil wertvoll, verführen zum Anfassen, Sortieren und Kombinieren. Ist es nicht ungemein beruhigend, eine Perlenkette langsam zwischen den Fingern gleiten zu lassen. Perlenketten spielten und spielen eine wichtige Rolle in Gebet und Meditation, zum Beispiel als Gebetsketten im Islam, Hinduismus oder Buddhismus, aber auch als Rosenkranz im Christentum.
Mit der Entdeckung der Glasherstellung, wahrscheinlich in Indien, entstanden vermutlich auch die ersten Glasperlen. Sie wurden in solchen Mengen erzeugt, dass sie exportiert und als Zahlungsmittel schnell weltweite Bedeutung erlangten. Im mittelalterlichen Europa verwendeten Kunsthandwerker gedrechselte Holzperlen, Korallen, Bernstein und Halbedelsteine. Später im 15. und 16. Jahrhundert wurden Kleider und Wandbehänge üppig mit Glasperlen bestickt. Um die Mitte des 19. Jahrunderts kam es im viktorianischen England in Mode, auch Möbel und Dekorationsgegenstände verschwenderisch mt Perlen zu verzieren.
Im englischsprachigen Raum ist der Begriff “pearl” für die natürlichen aus Muscheln gewonnenen Perlen gebräuchlich. “Bead” steht für alle anderen Perlen. In Frankreich und Deutschland heißen alle Perlensorten “Perlen”.
Quellen:
- nach Dubin, Lois Sherr:”Alle Perlen dieser Welt” Kulturgeschichte des Perlenschmucks, DuMont, 1997, Köln
- nach Wolters, Natacha: “Das große Ravensburger Perlenbuch”, Urania-Ravensburger, 2000, Berlin