Archive für November 2007

Istanbul - Rückflug

Sonntag - Der Shuttle-Bus fuhr am Hotel ohne mich vorbei, die Konferenz ging noch weiter. Leider musste ich den Rückflug antreten. Es waren ungemein ereignisreiche Tage, neue Ideen, Eindrücke und Gleichgesinnte aus anderen Ländern. Ich freue mich schon auf die nächste Konferenz, die hoffentlich auch in Europa stattfindet. Wie ich hörte, soll sie in Italien sein.

Istanbul - Bead Bazaar, Vorträge

Samstag - Gleich beim Hotel traf ich eine Londonerin. Sie arbeitete bei einem Insovenz-Verwalter, lebte aber für ihr Hobby der Perlen-Archäologie an der Universität. Sie besuchte Vorträge, die in zwei Sälen mit Simultan-Dolmetschern Englisch-Türkisch stattfanden. In einem Saal waren Referate zum Thema “Beadwork”, also Gegenstände, die aus Perlen hergestellt oder verziert wurden. Im anderen hörten meist Perlensammler Interessantes über Perlen. Übrigens heißen Perlen auf türkisch boncuk.

Vormittags traf ich eine Perlenfreundin, die ihre Familie überzeugen konnte, der sehenswerten Stadt Istanbul einen Besuch abzustatten. Sie nahm sich familienfrei und schlenderte mit mir zuerst durch den Bead-Bazaar. Eindrucksvoll war der Stand von Bijuland, einer türkischen Ladenkette, die Perlen und Zubehör verkauft.  Ungehemmt konnten wir zu günstigen Preisen Dinge erstehen, die wir bei uns nie bekommen würden. Sehr interessant war auch der Stand  mit Prisonerwork, betreut von Gefängnismitarbeitern in Uniform. Die türkischen Perlenarbeiten werden von Gefangenen, also Männern, hergestellt. Und das schon seit dem 1. Weltkrieg.

Erschöpft von den Eindrücken tranken wir in der Pausenhalle Kaffee und aßen Sandwiches zwischen Studenten und anderen Konferenzteilnehmern. Gestärkt ging es zu den Ausstellungen. Nachdem meine Perlenfreundin von ihrer Familie abgeholt worden war, hörte ich den Vorträgen im Saal “Beadwork” zu. Leider konnte ich nur zwei hören: “Beads, Blossoms an Dancing Boots: Subartic Athapaskan Beadwork and Identity” von einer Professorin der Universität Tempe, Nordamerika. Es ging um Perlenarbeiten eines Indianerstammes. Frauen bestickten Kleidung, Baby-Tragegurte, Schuhe und Rückendecken für Schlittenhunde mit Perlen in fröhlichen Blumenmotiven. Ein weiterer Vortrag von einer Professorin aus Großbritannien und Vorsitzende der “Bead Guild Great Britain” handelte von “Early 17th Century English Beadwork Purses” (Geldbeutel des frühen 17. Jahrhunderts). Diese Börsen waren in der Technik “Right Angle Weave” gearbeitet, allerdings mit zwei Nadeln. Zudem wiesen die Beutel Jahreszahlen und Weisheiten auf, so dass sie zeitlich konkret zugeordnet werden konnten. Die Referentin vermutete, dass es damals Stickpackungen zu kaufen gab.

Bead & Beadwork Conference - Workshop

Freitag - Der Shuttle-Bus hielt auch an meinem Hotel und brachte uns durch den heftigen Istanbuler Verkehr zur Konferenz. In dem Workshop bei der Israelin Angelika Motzkin, Beads Jewellery Designer, arbeiteten wir eine Halskette mit dem Namen “Sea Breeze”. Es war ein sehr komplexes Werk mit, das verschiedene Techniken enthielt. ZumGglück kannte ich schon etwas, denn bei den nur vier Teilnehmerinnen handelte es sich um Fortgeschrittene. Die Gruppe bestand aus einer Japanerin, zwei Israelinnen und meiner Wenigkeit. Wir fädelten und unterhielten uns über die Perlen-Szenen in den jeweiligen Ländern. Dabei stellte sich heraus, dass in Deutschland die Perlen-Gemeinde hinsichtlich Techniken, Materialien, Verbänden und Zeitschriften unterentwickelt ist. Ich hatte das Gefühl am rechten Ort zu sein, um meinem Hobby zu frönen. Es war ein sonniger, warmer Tag, die Bauarbeiter arbeiteten vor unserem Fenster und verschwanden plötzlich als der Muezzin zum Freitagsgebet rief.

International Bead & Beadwork Conference Istanbul - Opening

Donnerstag - Geschafft, ich saß um 5.00 Uhr morgens am Gate. Mitten in der Nacht wachte ich schon auf und konnte nicht mehr einschlafen. Koffer überdenken, alles drin? Alles geregelt? Endlich klingelte der Wecker. Istanbul wartete auf mich. Ich war gespannt und aufgeregt. An Perlenschmuck nahm ich in der Hetze nur ein Armband mit. Ich wollte ja Neues sehen in Istanbul auf der internationalen Konferenz.

Spätnachmittags klappte es endlich mit dem Shuttle vom Hotel zur “Kadir Has Üniversitesi”, dem Veranstaltungsort der Konferenz. Nach der Registrierung ging es gleich in den nächsten Saal zum Opening. Häppchen mit türkischen Köstlichkeiten wurden gereicht. Da ich keinen kannte, schaute ich mich in Ruhe um. Die Konferenzteilnehmer kamen aus vielen Ländern, meist aus USA, aber auch Belgien, Japan. Ich traf nur zwei weitere Deutsche. Schließlich gesellte sich eine Perlensammlerin (Collector) aus Amerika zu mir. 

Zusammen gingen wir durch das “Rezan Has Müzesi” mit der privaten Perlensammlung von Gönül Paksoy unten im Keller des historischen Gebäudes. Hier staunten wir über die enorme Sammlung von Perlenschmuck aus verschiedenen Materialien und Zeitenaltern. Ein Gang durch die Geschichte der Perlen von den Anfängen bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts. Amazing!

Nach wiederum ein paar Häppchen wanderten wir gemächlich plaudernd zur nächsten Ausstellung “Trajecotries” der Internationalen Society of Glass Beadmakers und des Arizona Bead Museum. Erstaunlich welche Kunstfertigkeit sich in einzelnen Perlen zeigte. Zum Opening gehörte auch der “Meet the Teachers Event”. In einem Nebenraum stellten sich die Workshop-Veranstalter mit ihren Werken vor.

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